Biologischer Pflanzenschutz

Nützlinge – nicht nur nützlich sondern unverzichtbar!

Bereits seit 20 Jahren setzen die Tomatenanbauer Niederrhein Nützlinge ein und können so sicher auf ihren weit reichenden Erfahrungsschatz zurückblicken. Seit Beginn finden die Betriebe Unterstützung beim Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer NRW durch Praxisversuche, Spezialberatung, Mitwirkung bei Arbeitskreistreffen, Fortbildungen sowie durch die Schädlingsbeobachtung.

LWK

Nachfolgend finden Sie nun eine Auswahl von Nützlingen, die ihre Einsatzmöglichkeiten beschreiben und abschließend einige Informationen zu biologischen Bekämpfungsmöglichkeiten.

Die Hummeln...

Hallo, ich bin „Bombus terrestris“ (Foto links: Quelle Koppert) die Erdhummel. Wir sausen durch die Tomaten und fliegen unermüdlich von Blüte zu Blüte. Wir verbreiten so den Pollen und sichern einen optimalen Fruchtansatz. Das leisten wir viel systematischer und zuverlässiger als es früher die Menschen mit der Hand gemacht haben. Unser Hummelvolk besteht aus einer Königin und 100-150 Arbeiterinnen, die es schaffen, 5000-6000 Tomatenpflanzen zu bestäuben. Übrigens stechen wir nur, wenn wir uns massiv bedroht fühlen. Wir Hummelhelfer haben uns so bewährt, dass wir aus der modernen Tomatenproduktion nicht mehr wegzudenken sind.

Hummelkastenreihe Flugloch Hummelkasten

Die Schlupfwespe Encarsia formosa...

Einer der Hauptschädlinge an Tomaten sind die Larven der Weiße Fliege. Sie saugen an den Blättern und scheiden klebrigen Honigtau aus, auf dem sich dann schwarze übel aussehende Rußtaupilze ansiedeln. Wir Schlupfwespen sind nur 0,7 mm groß und spüren auch die verstreut sitzenden Larven der Weiße Fliege auf. In jede Larve legen wir ein Ei. Diese Larven werden dann zur Kinderstube für unsere Nachkommen. Bald schon schlüpfen unsere Kinder anstatt des Schädlings und der Kreislauf beginnt erneut. Einen Kurzfilm zu uns Schlupfwespen finden Sie hier
Übrigens ist da noch unsere Cousine Eretmocerus, die das alles genauso macht wie wir. Gezüchtet werden wir von spezialisierten Nützlingsproduzenten, die unsere Puppen auf Pappkärtchen aufkleben. An den Tomatenblättern aufgehängt können wir dort schlüpfen und unsere Suche beginnen.
(Foto rechts: Quelle Koppert)

Karte zum Einsatz Encarsia Encarsia formosa

Die Raubwanze Macrolophus...

Wir sind kleine, wendige Raubwanzen und fressen am liebsten Weiße Fliegen. Aber auch Blattläuse, junge Raupen, Spinnmilben, Minierfliegenlarven, futtern wir ganz gern. Nach unserer Freilassung brauchen wir zwar noch 2 bis 3 Monate, bis wir uns im ganzen Gewächshaus ausgebreitet haben. Doch als „Vielfraß“ sind wir der Star unter den Schädlings-Vertilgern in der Tomatenkultur.
Einen Kurzfilm zu uns Raubwanzen finden Sie hier

  Raubwanze Raubwanze

Schlupfwespen gegen Minierfliegen...

Die nur 2mm großen Minierfliegen können ganze Tomatenbestände „in Heu verwandeln“. Ihre Larven fressen Gänge ins Blattgrün, geschützt zwischen der oberen und unteren Blatthaut. Wir Schlupfwespen Dacnusa und Diglyphus (Foto rechts: Quelle Koppert) finden aber die versteckt lebenden Schädlinge wie im Schlaf und parasitieren sie. Dacnusa bevorzugt dabei moderate Temperaturen, Diglyphus fühlt sich bei Sommerhitze am wohlsten.

Schadbild Minierfliege Schlupfwespe Dacnusa

Bekämpfung von Blattläusen...

Laus ist nicht gleich Laus! Wir Blattlaus-Schlupfwespen haben uns spezialisiert: z.B. mag Aphidius colemani besonders Pfirsichblattläuse (schädigen durch Honigtauausscheidungen).
Die grünfleckigen Kartoffelblattläuse (bewirken Blattverkrüppelungen und gelbe Flecken) bevorzugt Aphidius ervi. Uns eigen ist ein exzellentes Suchverhalten. Nach erfolgreicher Parasitierung verfärben sich die Läuse bronzefarben.
Aphidius colemaniIch bin die wenig wählerische räuberische Gallmücke Aphidoletes. Ich kann mich jedoch leider in den Tomaten-Gewächshäusern nicht selbst vermehren, dafür verspeise ich große Mengen Blattläuse. Mein Trick: ich packe die Laus am Knie, lähme sie mit meinem Gift und sauge sie dann völlig stressfrei aus.

Spinnmilben-Gegenspieler

Bei warmem und trockenem Wetter treten immer wieder Spinnmilben auf, auch „Rote Spinne“ genannt. Sie saugen die Blätter aus und können sogar ganze Pflanzenteile einspinnen. Wir kleinen lebhaften Raubmilben Phytoseiulus persimilis (Foto: Quelle Koppert) können bei beginnendem Befall ganz schön gegensteuern. Wir fressen Eier, Larven und erwachsene Spinnmilben. Ein vorbeugender Einsatz wäre allerdings zwecklos, wir neigen zum Kannibalismus.
Spinnmilbenfresser

...also wenn wir Hunger haben, fressen wir uns auch gegenseitig auf...

Ein weiterer Helfer sind wir Gallmücken Feltiella. Unsere Larven, sobald ausreichend verbreitet, rücken äußerst effektiv den Spinnmilben auf den Leib.

Biologische Bekämpfung von Pilzkrankheiten

Der Echte Mehltau befällt die Tomatenkulturen vor allem in den heißen Sommermonaten. Vorbeugend wirken Stärkungsmittel aus Pflanzenextrakten wie „Milsana“ (Knöterichextrakt). Tritt der Mehltau bereits auf, schafft „Vitisan“ oder „Mehltauschreck“ Abhilfe, zwei Stoffe aus der Lebensmittelindustrie, besser bekannt unter dem Namen Backpulver! So können chemische Fungizide weitgehend vermieden werden.

Biologische Bekämpfung mit Mikroorganismen

Sogar Pilze und Bakterien erweisen sich in vielerlei Hinsicht als nützlich:
Bacillus thuringiensis, ein weltweit in freier Natur vorkommendes Bakterium, ist der Wirkstoff des Schädlingsbekämpfungsmittels „XenTari“. Von Raupen durch Fraß aufgenommen, wird deren Darm zerstört, was zunächst zum Fraßstopp, dann zum Absterben führt.
Der natürliche Bodenpilz Trichoderma bildet ein Schutzschild um die Wurzel und verhindert so das Angreifen gefährlicher Pilze wie Pythium und Fusarium.

MonitoringGelbtafeln

Mithilfe gelber Leimtafeln wird das Auftreten verschiedener Schädlinge (Weiße Fliege, Minierfliege, Blattläuse, Schadwanzen) frühzeitig erkannt und deren Populationsentwicklung überwacht. So kann rechtzeitig mit dem Einsatz der passenden Nützlinge gegengesteuert werden. Vermehrt sich z.B. die Weiße Fliege stellenweise dennoch zu stark, reduzieren gelbe Klebebänder entlang der befallenen Tomatenreihen den Befall.

Fliege an Gelbtafel
(Bild: Quelle Groenten en Fruit)

Eine weitere Methode zur Überwachung beispielsweise des heimtückischen Schadschmetterlings „Tomatenminiermotte“ bieten Pheromonfallen. Aus einem Dispenser tritt kontinuierlich das weibliche Sexualhormon des Schadschmetterlings aus. Im Glauben, zu einem Riesenweibchen zu fliegen, gehen die Männchen in die Falle und können rechtzeitig erkannt und bekämpft werden.

Trichterfalle Tellerfalle Pheromonfalle

Fazit: Nützlinge sind nicht nur nützlich! Der biologische Pflanzenschutz ist mittlerweile zu einem unverzichtbaren Bestandteil der rheinländischen Tomatenproduktion geworden.

Texte und Fotos ohne Quellenangabe: Heike Scholz-Döbelin, Pflanzenschutzdienst Landwirtschaftskammer NRW
heike.scholz-doebelin@lwk.nrw.de

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